Mit dem 1:0 nach Verlängerung gegen Argentinien hat sich Spanien am 19. Juli im MetLife Stadium von East Rutherford zum zweiten Mal nach 2010 den WM-Titel gesichert. Ferran Torres traf vor mehr als 80’000 Zuschauern in der 106. Minute und beendete ein Turnier, das auch abseits des Rasens Geschichte geschrieben hat. Die erste Weltmeisterschaft mit 48 Teams und 104 Spielen war für die internationale Wettbranche das grösste Einzelereignis ihrer Geschichte. Drei Wochen nach dem Finale lohnt sich die Nachlese: Wie viel wurde weltweit gesetzt, wie hat sich der deutsche Markt geschlagen, und welche Effekte überdauern den Ausnahmezustand des Turniersommers?

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Ein Turnier sprengt alle Massstäbe

Der Finanzdienstleister Macquarie bezifferte die weltweiten Einsätze rund um das Turnier auf über 50 Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 44 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Bei der WM 2022 in Katar waren es noch etwa 35 Milliarden Dollar. Im Schnitt entfiel damit rund eine halbe Milliarde Dollar auf jedes einzelne der 104 Spiele. Besonders deutlich fiel der Sprung in den USA aus, wo der regulierte Markt seit 2018 stark gewachsen ist und das Heimturnier die Einsätze früherer Grossereignisse um ein Vielfaches übertraf. Branchendienste bezifferten die Einsätze bei lizenzierten US-Buchmachern auf bis zu 4,3 Milliarden Dollar, nach rund 490 Millionen Dollar bei der WM 2022. Damit sprechen Beobachter vom grössten einzelnen Wettereignis, das der legale US-Markt je verzeichnet hat, noch vor den Super Bowls der vergangenen Jahre.

Auch im deutschsprachigen Raum war das Interesse enorm. Die Schweizer Nati trug ihren Teil zur Spannung bei und scheiterte erst im Viertelfinal am späteren Finalisten Argentinien. Gewettet wurde auf Sieger, Torschützen und Spezialmärkte in einem Umfang, den Buchmacher zwischen den grossen Turnieren nie erreichen.

Deutschland: Milliardengrenze in Reichweite

Für den deutschen Markt hatte der Deutsche Sportwettenverband (DSWV) bereits vor dem Anpfiff Wetteinsätze von knapp einer Milliarde Euro prognostiziert. 600 bis 700 Millionen Euro davon sollten auf lizenzierte Anbieter entfallen, weitere 300 bis 400 Millionen Euro dürften bei Anbietern ohne deutsche Lizenz gelandet sein. Der Verband formulierte es anschaulich: Grosse Turniere wirken für die Branche häufig wie ein zusätzlicher Umsatzmonat.

Die Zahlen zeigen zweierlei. Einerseits bestätigt die WM den Wachstumstrend des regulierten Marktes, der von der Kanalisierung der Nachfrage in legale Bahnen lebt. Andererseits bleibt der Schwarzmarkt ein ernstes Problem: Wenn 30 bis 40 Prozent der Turniereinsätze an unlizenzierte Anbieter fliessen, entgehen dem Staat Steuereinnahmen, und die Schutzmechanismen des regulierten Angebots erreichen einen erheblichen Teil der Spielerschaft gar nicht erst.

Gerade in Wochen mit derart hoher Wettaktivität zeigt sich der Wert dieser Schutzmechanismen: Einzahlungslimits, Einsatzkontrollen und Sperrmöglichkeiten existieren nur im lizenzierten Segment. Für die Zeit nach dem Turnier wird deshalb entscheidend sein, ob es gelingt, einen grösseren Teil der Nachfrage dauerhaft in den regulierten Markt zu holen.

Sichtbarkeit auf allen Kanälen

Wer das Turnier vor dem Bildschirm verfolgte, kam an der Branche kaum vorbei. Quotenvergleiche in der Berichterstattung, Werbespots rund um die Übertragungen, Bandenwerbung und Kampagnen in den sozialen Medien sorgten für eine Präsenz, die weit über den Alltag hinausging. Viele Vereine und Ligen zählen Wettanbieter ohnehin seit Jahren zu ihren Sponsoren, und im Umfeld des Turniers erreichte diese Sichtbarkeit ihren vorläufigen Höhepunkt.

Für die Anbieter ist ein solches Turnier die wichtigste Phase der Neukundengewinnung im gesamten Zyklus zwischen zwei Grossereignissen, entsprechend hoch waren die Marketingbudgets. In Deutschland sind die Werbemöglichkeiten regulatorisch enger gefasst als in manchen anderen Märkten, was den Wettbewerb um die verbleibende Aufmerksamkeit zusätzlich verschärfte.

Was nach dem Abpfiff bleibt

Die spannendste Frage stellt sich jetzt, einige Wochen nach dem Abpfiff: Wie viel des Booms überdauert das Turnier? Branchenbeobachter richten den Blick auf drei Grössen: die Zahl der neu registrierten Kunden, das allgemeine Aktivitätsniveau und die fortschreitende Verschiebung hin zu Online-Angeboten.

„Grossturniere wirken wie ein Schaufenster für den regulierten Markt. Viele Kundinnen und Kunden, die während der WM zum ersten Mal bei einem lizenzierten Anbieter gesetzt haben, bleiben auch danach aktiv. Nach dem Finale pendelt sich die Aktivität erfahrungsgemäss unterhalb des Turnierniveaus ein, liegt aber spürbar über dem Stand vor der WM”, erklärt Mark Seibert vom Vergleichsportal onlinecasinosdeutschland.com. Das gelte über die Sportwette hinaus: Wer sich einmal bei einem lizenzierten Anbieter registriert habe, nutze häufig auch weitere Angebote desselben Kontos.

Damit dürfte die WM 2026 den Strukturwandel der Branche weiter beschleunigen. Das Geschäft verlagert sich seit Jahren in den digitalen Kanal, und ein Turnier, das Millionen von Menschen erstmals mit Wett-Apps und Online-Plattformen in Kontakt gebracht hat, wirkt dabei als Katalysator. Bis zur EM 2028 in Grossbritannien und Irland bleibt der Branche nun Zeit, die neu gewonnenen Kunden zu halten. Die Messlatte für das nächste Rekordturnier liegt jedenfalls so hoch wie nie.

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