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"Kümmert mich wenig" News

Granit Xhaka wirft TV-Mann Sascha Ruefer fehlende Professionalität vor

Nach dem WM-Aus und dem desolaten 1:6-Pleite gegen Portugal hat unter anderem TV-Kommentator Sascha Ruefer die Frage in den Raum gestellt, ob Granit Xhaka noch der richtige Captain für die Schweizer Nati sei. Mit einigem Abstand äussert sich der Mittelfeldstratege nun in einem Interview auch zu den Kritikern.

Der 30-Jährige führte ein Telefongespräch mit der Nachrichtenagentur «Keystone-SDA» und nahm dort erstmals nach der WM Stellung zum Turnier. Direkt nach dem desolaten Auftritt gegen Portugal äusserte sich Xhaka in der Mixed Zone nämlich nicht zum Spiel und verliess Doha ziemlich rasch. Es folgte ein Familienurlaub in Dubai, wo er sich aber sämtliche Spiele der WM anschaute, wie er betont.

Wenig überraschend kommt auch der Mittelfeldspieler zum Schluss, dass die Leistung der Schweiz gegen Portugal völlig ungenügend war. Vor allem die Laufbereitschaft habe nicht gestimmt: «Es war ein ganz komisches Spiel. Nur schon die massive Differenz bei der Laufleistung fällt auf. Die Portugiesen liefen zehn Kilometer mehr. So hat man in einem Achtelfinal im Normalfall keine Chance.»

Wie schon vor vier Jahren in Russland habe das «intensive Duell mit Serbien richtig viel Kraft und Energie im mentalen Bereich» gekostet. In Russland folgte ein schwacher Auftritt und das Aus gegen Schweden, diesmal eine noch desolatere Leistung gegen Portugal und ebenfalls das Ausscheiden im Achtelfinale.

«Kümmert mich nicht weiter»

Medial wurde hinterher die Position von Xhaka infrage gestellt. Insbesondere seine obszöne Geste im Spiel gegen Serbien wurde viel kritisiert. Xhaka lässt sich auf diese Diskussionen nicht ein. Stattdessen geht er zum Gegenangriff über. Viel zu wenig werde aus seiner Sicht über seinen sportlichen und fussballerischen Wert für das Team geredet: «Mich stört, dass sie nicht professionell genug sind, im Zusammenhang mit mir über Fussball zu sprechen. Es geht plötzlich um andere Themen. Ich will ihnen eigentlich gar keine weitere Aufmerksamkeit schenken und ihre Aussagen kommentieren. Wenn sie aber das Gefühl haben, dass ich nicht der richtige Captain sei, kümmert mich das nicht weiter.»

Xhaka ist voll von sich überzeugt. Hinter seinem Captain-Bändeli stehe «jahrelange harte und ehrliche Arbeit.» Während seiner Karriere habe er schon «viele grosse Steine aus dem Weg geräumt». Letztlich könne niemand mit dem Finger auf ihn zeigen und behaupten, er habe zu wenig gemacht. Xhakas klare Schlussfolgerung: «Ich bin brutal stolz auf meinen Weg. Und etwas sollten die Experten nie vergessen: Im Fussball wird alles auf dem Platz entschieden, aber nichts im TV-Studio.» Kritikern, die sich nicht direkt an ihn wenden, misst er keine Relevanz zu: «Wer mir seine Wahrheit nie direkt ins Gesicht sagt, der spielt für mich keine Rolle. Das sind für mich Fake-Leute. Auf die habe ich noch nie gewartet und nie gehört – und werde das auch in Zukunft nicht tun.*

Den Vorwurf, dass er innerhalb der Nati zu mächtig sei, lässt Xhaka auch nicht gelten. In der Mannschaft pflege er einen sehr offenen und ehrlichen Umgang. Seine Meinung sage er direkt und nie hinter dem Rücken anderer. Dennoch ist er fordernd. Dem Erfolg ordnet er alles unter: «Vor mir muss keiner Angst haben, mir geht es nicht um Personalpolitik, mir geht es um Fortschritte. Ich will gewinnen, im Training, im Spiel, immer. Ich versuche, allen zu vermitteln, dass es nicht reicht, einfach nur dabei zu sein.» Und weiter: «Es geht um die Leistung, um grosse Ziele, um nichts anderes. Das sind keine Machtspielchen. Ich will Erfolg!»

  psc       29 Dezember, 2022 15:18
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